HINTERGRUNDINFORMATIONEN BLASENGRIESS (STRUVIT UND OXALAT) BEI HUND, KATZE UND MEERSCHWEINCHEN

Blasengrieß muss immer behandelt werden!

Blasengriess-struvit

Symptome bei Blasengrieß

  • Blut im Urin
  • häufig kleine Mengen Wasser lassen
  • Schmerzen beim Wasser lassen
  • Pressen beim Wasserlassen
  • Inkontinenz (Urinverlust)
  • Veränderte Farbe des Urins
  • Verhaltensänderungen wie Ruhelosigkeit, Apathie, sich verstecken oder Nahrungsverweigerung.
  • Es können auch Änderungen beim Wasser lassen auftreten, wie irgendwo im Haus oder woanders als normalerweise pinkeln.

Blasengrieß kommt meistens in Form von Struvit- oder Oxalatgrieß (Kalziumoxalat) vor. Urat- und Zystingrieß kommen viel seltener vor.

Durch eine mikroskopische Untersuchung des Urins kann leicht festgestellt werden, um welche Form von Blasengrieß es sich handelt. Es kann auch untersucht werden, ob sich Blut im Urin befindet. Das Vorhandensein von Blut deutet auf eine Blasenentzündung hin. Diese Entzündung entsteht durch den Blasengrieß: der Grieß beschädigt die Blasenwand, so dass diese empfindlicher für Entzündungen wird.

blasengriess-oxalat

Die Schulmedizin bestimmt, ehe sie behandelt, meistens zunächst den Säuregrad des Urins. Diese wird in pH angegeben. Der pH Grad gibt an, wie sauer oder basisch eine Flüssigkeit ist, in diesem Fall der Urin. Die pH Skala geht von 0 bis 14.

  • ein pH Wert niedriger als 7 zeigt, dass der Urin sauer ist
  • Urin mit einem pH Wert von 7 ist neutral
  • Urin mit einem pH Wert über 7 ist basisch oder alkalisch

Bei einem pH Wert unter 7 entsteht normalerweise Oxalat und bei einem pH Wert über 7 Struvit. In einigen wenigen Fällen kann es auch umgekehrt sein. Der pH Wert gibt also einen Hinweis auf welche Art Grieß vorhanden ist; aber er gibt keine endgültige Sicherheit.

Für die Schulmedizin sind Probleme mit den Nieren, der Galle oder der Blase verschieden Krankheitsbilder; man sieht keinen Zusammenhang. Schulmediziner versuchen außerdem, den pH-Wert des Urins zu beeinflussen.

Die Entstehung von Blasengrieß

Blasengrieß tritt bei Haustieren auf, wenn der Urin mit Salzen übersättigt ist. In der Praxis passiert das meistens durch das Füttern von Trockenfutter, das zu wenig Flüssigkeit enthält. Wenn sich zu viele Salze im Urin befinden, können sich Kristalle bilden, die allmählich immer größer werden. Häufig haften sich die Salzkristalle an organisches Material, das sich von Natur aus bei Mensch und Tier im Urin befindet, wie Zellmaterial und Blutreste. Dadurch entstehen Strukturen, die immer weiter wachsen ekönnen und sich von Grieß über Kristalle bis hin zu Steine entwickeln. Bei Grieß handelt es sich noch um mikroskopisch kleine Teilchen (bis 1/100 mm), Kristalle sind bis 1 mm groß und Steine im Durchschnitt 1-2 cm (bei größeren Hunden kommen allerdings auch Steine bis zu 4 cm vor).

Häufig hat ein Tier schon seit längerer Zeit etwas Blasengrieß, der aber noch über den natürlichen Weg den Körper verlassen kann. Bei einer akuten Stresssituation jedoch kann die Grießmenge erheblich zunehmen und zu Beschwerden führen. Situationen, die bei einem Tier zu Stress führen können, sind zum Beispiel: ein Umzug (die festen Gewohnheiten und Gerüche sind verschwunden); ein neues Haustier, das hinzukommt; die Geburt eines Babys (wodurch Herrchen oder Frauchen sich dem Tier gegenüber anders verhält).

Blasengrieß kann verschiedene Beschwerden verursachen. Diese sind abhängig von der Menge des Grießes, sowie von der Stelle im Harnwegtrakt an der sie sich befinden. So können scharfe Kanten vom Grieß die Schleimhaut der Blase beschädigen, mit der Folge einer Blasenentzündung, oder Grieß kann den Abfluss vom Urin aus der Blase zur Harnröhre verstopfen.

Ihr Haustier kann dann nicht mehr wasserlassen und die Blase ist überfüllt. Da der Urin nicht mehr abfließen kann, können die Nieren die Abfallstoffe nicht länger aus dem Körper entfernen. Die Folge ist eine Anhäufung von Abfallstoffen im Körper. Diese verursacht Antriebslosigkeit, Appetitverlust, Erbrechen und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Falls Sie diese Beschwerden bei Ihrem Haustier feststellen, ist die Situation sehr ernst und Sie sollten umgehend zum Tierarzt gehen.

Fütter und Blasengrieß

In der Praxis sehen wir, dass fast alle Haustieren, die an Blasengrieß leiden, Trockenfutter bekommen haben. Deswegen ist es empfehlenswert, kein Trockenfutter mehr zu geben, da dies nur sehr wenig Feuchtigkeit enthält.

Es ist besser, Ihrer Katze oder Ihrem Hund frischen Fisch oder rohes Fleisch zu geben. Dies enthält etwa 60% Feuchtigkeit. Dadurch wird die Blase besser gespült und kann das Tier den Grieß einfacher loswerden. Für mehr Informationen über Ernährung bei Hunden und Katzen können Sie hier klicken:

Fütterungsempfehlung

Auch bei Meerschweinchen und andere Nagetiere ist es wichtig nicht zuviel Trockenfutter zu geben. Zu wenig Flüssigkeit und ein zu hoher Kalziumgehalt in der Nahrung sind bei den kleinen Nagern häufig die Ursache für Blasensteine. Es ist wichtig, frisches Gemüse und ab und zu frisches Obst an zu bieten (z.B. Brokkoli, Möhren, Kohlrabi, Äpfel). Die Tiere sollten immer Zugang zu gutem Heu und frischem Wasser haben. Obwohl Heu streng genommen auch Trockenfutter und kalziumhaltig ist, kann hierauf nicht verzichtet werden! Ein genereller Verzicht auf Kalzium führt zum Mineralmangel und schädigt Zähne und Knochen! Um sie zum Trinken zu animieren, kann man auch verdünnten Tee (Kamille oder Brennnessel) geben. Neben dem Hauptfutter Heu, sowie frisches Gemüse und frische Kräuter sollte man auch etwas Trockenfutter geben, z.B. bietet die Firma JR Farm getreidefreies Futter für Meerschweinchen.

Behandlung von Blasengrieß durch den Tierarzt

  • Diätfutter und Antibiotika: leider kommen meistens, nachdem das Antibiotikum ausgewirkt hat, die Beschwerden wieder zurück. Das Diätfutter kann die Bildung von Grieß einschränken, aber nicht verhindern. Die Bildung findet erfahrungsgemäß weiterhin statt, nur in einem langsameren Tempo. Nach einiger Zeit können sich sogar Blasensteine bilden und es kann eine Blasenoperation notwenig werden um diese zu entfernen.
  • Die Blase operativ zu öffnen um Steine und größere Mengen Grieß zu entfernen. Der Nachteil der Operation ist, dass sich Narbengewebe an der Blasenwand bildet. Das Tier wird dadurch empfindlicher für Blasenentzündungen. Nachdem die Blase während der Operation sauber gemacht wurde, fängt der ganze Prozess der Grießbildung wieder von vorne an. Spezielles Futter verabreichen ist keine Lösung, da dieses die erste Operation auch nicht hat verhindern können. In vielen Fällen sind sogar mehrere Operationen notwendig. Nach drei Operationen ist weiteres operatives Eingreifen meistens nicht mehr möglich, da die Blasenwand dann durch sehr viel Narbengewebe zu sehr beschädigt ist. Bei älteren Tieren ist eine Operation ohnehin mit mehr Risiken behaftet, z.B. durch eventuelle Komplikationen bei der Narkose oder einen langsameren Heilungsprozess.
  • Penisamputation: hierbei werden der Penis und der Penisknochen entfernt. Anschließend wird die Schleimhaut der Harnröhre an der Bauchwand genäht. Dadurch steckt Grieß nicht mehr fest, aber die Grießbildung wird nicht unterbrochen. Bei einer Penisamputation treten immer wieder Komplikationen auf, wie Inkontinenz (unwillkürliches Verlieren von Urin), Entzündungen an dem neuen Ausgang und sogar das Zuwachsen des neuen Ausgangs. Die Möglichkeit einer Blasenentzündung wird sogar größer, da der weitere und kürzere Ausgang für Bakterien besser zugänglich ist. Es wird denn auch empfohlen, dies nach einer Penisamputation gut zu beobachten.
  • Katheterisierung (den Urin mittels eines dünnen Schlauchs, der in die Blase eingeführt wird, abfließen lassen): dies wird praktiziert wenn die Harnwege Ihres Haustieres so verstopft sind, dass sie den Urin nicht mehr auf natürliche Weise loswerden kann. Wenn in solch einer Situation nicht gehandelt wird, können die Nieren keine Gifte mehr ausscheiden und das führt zu einer gefährlichen Situation: das Blut wird nicht mehr gereinigt und das Tier vergiftet sich sozusagen selber. Wenn hier nichts gemacht wird, fällt das Tier ins Koma und stirbt. Eine Katheterisierung sollte immer vom Tierarzt durchgeführt werden.

Idiopathische Zystitis

Eine idiopathische Zystitis ist ein Blasenproblem ohne nachweisbare Ursache. Es gibt dann keine Blasenentzündung, Blasengrieß oder Blasensteine und trotzdem muss das Tier sehr häufig wasserlassen. Meistens ist dies eine Verhaltensstörung. Dieses Verhalten kann man leider nicht mit chinesischen Kräutern behandeln.